Geschichte des Gasthauses „Zum Schaf“

Werbepostkarte des Gasthauses Zum Schaf von August Buchenberger.

Im Jahre 1904 heiratete der 27-jährige August Buchenberger Rosa Kleber. Sie war 24 Jahre alt und die Tochter des im Jahre 1897 verstorbenen Wirts des Gasthauses „Zum Schaf“, Adam Kleber.

Herr Klaus Hemmer (geb. 1942, Enkel von August Buchenberger) erinnert sich im Gespräch im Jahre 2023:

„August Buchenberger ließ sich von Prälat Eichenlaub Anfang der 1920er Jahre zum Bau des großen Saales überreden. Von Norden nach Süden wurde er an das bestehende Haus an die Westseite angebaut, auf Säulen stehend. Die Bühne war am Ende des Saales, an der Südseite. Die Fenster gingen nur zur Hofseite hin. Durch den Anbau wurde der Hof ziemlich eng und klein, Sonne kam höchstens für eine Stunde am Tag in den Hof. Für den Bau nahm August Buchenberger einen Kredit auf.

Es war die Zeit, in der viele Vereine Frühlingsbälle oder Theateraufführungen durchführen wollten.

Gastzimmer, Gasthaus „Zum Schaf“.
Kleiner Saal, Gasthaus „Zum Schaf“.
Großer Saal, Gasthaus „Zum Schaf“.

Die Fotos vom kleinen und großen Saal sowie der Gaststätte sind vermutlich Aufnahmen des Fotografen Gerst aus Maikammer. Sie stammen wohl aus der Zeit vor dem II. Weltkrieg. Wenn man die Eingangstür von der Straßenseite aus reingehen würde, waren rechts drei Räume zur privaten Nutzung. Links ging es zum Gastzimmer mit der Theke. Im Obergeschoß über der Eingangstür und dem Tor waren die Fremdenzimmer und auf der anderen Seite der kleine Saal. Ein privates Wohnzimmer für uns gab es nicht. Bei uns hat sich alles Leben in der Küche und der Wirtschaft abgespielt. Wenn im Saal eine Veranstaltung war, mussten alle helfen, Arbeit gabs genug. Das ging vom Thekendienst über Küchenhilfe bis zum Heizen im Winter. Zu der Zeit war es noch üblich, daß jeder Verein einen Jahresball veranstaltet hat, Liederkranz, Gesangverein, Pfälzerwald-Verein. Außerdem fanden Theateraufführungen oder Tanzkränzchen statt.

Andreas Platz aus der Friedhofstraße war blind und jedes Jahr gab’s eine Weihnachtsfeier der Kriegsblinden Organisation. Früher gabs ja jede Menge Leute, die vom Krieg heimkamen und blind waren. Er war der Vorsitzender der Organisation. Diese Weihnachtsfeier war immer eine der Schönsten.

Am Tor an der Einfahrt war ein Schutz für die einfahrenden Wagen [Sandsteinpoller, sog. Hundspisser, die Redaktion], da saß ich als Kind immer, das war mein Stammplatz. Die jetzige Mauer in der Hofeinfahrt wurde nachträglich gemacht, ebenso der Kellerabgang dort. Den Keller konnte man ursprünglich nur vom Innern des Hauses erreichen, das war der sogenannte Kartoffelkeller, mit einer Falltür. Dort wurde gegen Ende des Krieges ein Teppich drüber gelegt und ein Schrank drauf gestellt. Alles kam nach unten, was irgendwie schützenswert war. Das ganze Anwesen ist unterkellert, ein Gewölbekeller, entlang der Weinstraße, im Krieg war das ein Luftschutzbunker für die Nachbarschaft. Die Leute sind alle ins Schaf in den Keller gekommen.

Meine Mutter wohnte bis zum Tod ihres Vaters im elterlichen Haus und hat immer in der Wirtschaft und im Gasthaus mitgearbeitet und zum Schluß ihren Vater gepflegt. Nach dem Tod August Buchenbergers wurde das Gasthaus „Zum Schaf“ verkauft. Das Erbe wurde unter den fünf Kindern aufgeteilt. Das Haus wurde an einen Herrn Brechtel verkauft, der stellte dort Kunststoffkübel her. Anfangs durfte meine Mutter noch im Haus wohnen bleiben. Danach wohnte sie im Haus gegenüber, das der jüdischen Familie Süss gehört hatte und später abgerissen wurde.“

„Die komplette Familie des Gastwirtes August Buchenberger:
von links: Mutter Rosalia Buchenberger geborene Kleber (*1879 +1940), Tochter Franziska *1910 (genannt Fränzel, später verheiratete Hemmer), Sohn Rudolf *1907 +1960 (mit Krawatte), Sohn Albert *1913, davor sitzend Sohn Fritz *1918, Gastwirt und Vater August Buchenberger *1877 *1955, Tochter Elisabeth *1905 (später verheiratete Keim)(Quelle: Text+Foto 2020: Christian Buchenberger, Speyer)
„Das Foto wurde im Hof aufgenommen. Hinten links die Tür ist das Ende des Flurs, der von der Straße kommt. Rechts sieht man den Überbau des großen Saals, darunter stehen heute die parkenden Autos. Hinten, durch das Pferd verdeckt, ist die Küche gewesen.
Zu den Personen, soweit ich sie kenne:
Links mein Großvater August Buchenberger vor dem Pferd, rechts ohne Hut ist mein Vater Rudolf Buchenberger und ganz rechts steht meine Großmutter Rosa.
Das Foto mit der Handschrift ist die Rückseite des Fotos. Daraus scheint sich zu ergeben, dass die drei Damen auf dem Pferd aus Essen waren und der Herr mit Hut ein Arbeiter namens Karl.“
„Zur Erinnerung an die Essener für den Arbeitsmann Karl.“
(Christian Buchenberger)
Der große Saal im Gasthaus „Zum Schaf“,
es könnte entweder für einen Faschings- oder Frühlingsball geschmückt sein.

Christian Buchenberger (geb. 1947), ein weiterer Enkel von August Buchenberger, beschreibt 2023 in einer E-Mail ebenfalls seine Erinnerungen:

„Das „Gasthaus zum Schaf“ war ein großes Familienunternehmen. Meine Großeltern betrieben das Gasthaus mit einem großen Tanzsaal und vielen Fremdenzimmern, daneben hatten sie noch viele Weinberge und betrieben Weinbau. Aber das einträglichste Geschäft war das Weinkommissionsgeschäft. Mein Großvater hatte Geschäftsbeziehungen zu Weinkellereien an der Mosel und makelte Wein aus Maikammer dorthin. Er war also gemäß Handelsgesetzbuch (HGB) Streckenmakler für Wein. Außerdem vermakelte er auch Immobilien. In diesem Familienverband war auch mein Vater Rudolf Buchenberger tätig. Bis zu seiner Einberufung zum Kriegsdienst im Jahre 1942, also bis zu seinem 35sten Lebensjahr wohnte und arbeitete er im „Gasthaus zum Schaf“.  Mein Großvater hatte auch geplant, dass er sein Nachfolger wird. Deshalb besuchte er die Oberrealschule und die Handelsschule und legte eine kaufmännische Lehre im Weingut Zeder in Diedesfeld ab. Außerdem arbeitete meine Tante „Fränzel“ (Franziska Hemmer, geborene Buchenberger) voll im Familienverband mit. Von ihrer Geburt an bis zum Verkauf des Anwesens nach dem Tod meines Großvaters im Jahre 1955 lebte sie im „Gasthaus zum Schaf“. Meine Großmutter Rosa Buchenberger, geborene Kleber war bis zu ihrem Tod 1940 der Chef des Familienverbandes, laut Aussage meiner Mutter und meines Vaters. Im Jahr 1943 musste meine Mutter ihr Stoffgeschäft im Maikammer schließen („Nicht kriegswichtig“ laut Behörden) und arbeitete von dieser Zeit an bis Ende 1945 täglich im „Gasthaus zum Schaf“. Meine Mutter war sehr durchstrukturiert und empfand das Leben und Arbeiten dort als Chaos. Sie wusste, dass sich mein Vater nicht gegen seine Geschwister durchsetzen konnte und wollte. Deshalb lehnte sie es ab, dort ins Geschäft einzusteigen. Dazu kam noch, dass nach dem Krieg das lukrative Weinkommissionsgeschäft mein Onkel Albert Buchenberger übernahm. Albert Buchenberger machte eine Lehrerausbildung und war bis zu seiner Pensionierung Lehrer in Kirrweiler. Er war sehr musikalisch, spielte lange Zeit die Orgel in der Kirche und leitete mehrere Chöre. Er war sehr eloquent, aber auch sehr geschäftstüchtig. Er war über Jahrzehnte morgens Lehrer und nachmittags Weinkommissionär, d.h. natürlich lief das Geschäft über seine Frau, da er ja Beamter war. Als mein Großvater starb, stellten seine fünf Kinder fest, dass Schulden vorhanden waren, vor allem bedingt durch Steuerforderungen des Finanzamtes. Deshalb war guter Rat teuer. Diejenigen, die das „Gasthaus zum Schaf“ übernehmen wollten, hatten nicht die Mittel dazu, und diejenigen, die die Mittel hatten, wollten nicht. Deshalb wurden die Weinberge aufgeteilt und das Haus verkauft. Das war das Ende als Gasthaus. Der neue Eigentümer produzierte in dem Gebäude glasfaserverstärkte Kunstharzteile für den Weinbau, vor allem Bütten.“

„Solange ich mit meinen Eltern in Maikammer wohnte, also als Kleinkind, war ich mit meinem Vater oft im „Gasthaus zum Schaf“. Ich war sehr gerne dort, denn ich war ja Einzelkind und dort war immer etwas los und ich konnte mit meinen Cousins spielen. Außerdem war ich für meinen Großvater sehr wichtig. Er sagte mir mehrmals, dass er neun Enkel (fünf Jungen und vier Mädchen) habe, aber nur ich habe den Nachnamen Buchenberger und müsste den Namen weitertragen. Auch war ich immer vom Pferd „Hans“ meines Opas begeistert, manchmal durfte ich auf „Hans sitzen.

Was ich zum Gebäude weiß: Man ging die 4 Stufen zum Eingang hoch, dann folgte ein langer Flur. Gleich links konnte der Gastraum betreten werden. Es gab aber noch einen weiteren Eingang weiter hinten an der Theke. Ganz am Ende ging es in die große Küche, die ein Fenster zum Hof hatte. Rechts vom Flur waren Privaträume, Wohnung und Büro. Links hinten vor der Küche ging die große Treppe hoch zum 1. Obergeschoß. Ich kann mich nur an den großen Saal erinnern, den mein Großvater in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauen ließ. Das Bild der Trachtengruppe ist unter dem neu gebauten Saal aufgenommen, da stehen heute die Autos. Der große Saal war ein Überbau Richtung Süden. An weitere Einzelheiten des 1. Und 2. Obergeschosses habe ich keine Erinnerung.“

Das Kelterhaus war offen, unter dem großen Saal der Gaststätte.
„Das Bild in der Mitte und rechts zeigen die Trachtengruppe des Liederkranz Maikammer im Hof des Gasthauses Zum Schaf in Maikammer. Der Mann in der Mitte ist Rudolf Buchenberger“
(Christian Buchenberger, Speyer)
Im Jahr 2023 ist dort, wo damals die Trachtengruppe saß, ein Parkplatz für die Bewohner des Hauses Weinstraße Nord 23.

Texte: per E-Mail von Christian Buchenberger, 2023; im persönlichen Gespräch Heike Scholhölter mit Klaus Hemmer, 2023; beide Enkel von August Buchenberger.

Fotos: C. Buchenberger, H. Hemmer, Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)