Zwerchberg

Zwerg ist nicht gleich Zwerch, besonders wenn es um einen Berg im Pfälzerwald geht.

Eine geschichtliche und kartographische Erlebnisreise unseres Clubmitglieds Peter Kuhn.

Zwischen dem Wanderparkplatz „Hahnenschritt“ und der „Hohen Loog“ befindet sich der Zwerchberg oder Zwerenberg. Zwerchberg steht in alten Wanderkarten und Wanderführern, in alten Urkunden heißt die Erhebung Zwerenberg.

Fast die gesamte Wanderliteratur hat über die Jahre hinweg aus dieser Erhebung den ZWERGberg– im Sinne eines kleinen Berges – gemacht. Dies war kein Schreibfehler, vielmehr eine bewusste Änderung. Aber niemand wollte den offensichtlich falschen Eintrag wieder rückgängig machen. Wanderkartenverlage und Wandersoftwareentwickler verlangten dazu eine amtliche Bestätigung.

Wie kam`s zum Zwergberg?

Mitarbeiter amtlicher Stellen hatten ihre eigenen Versionen hierzu. Eine Aussage: „Die Pfälzer sagen zum Zwerg ja Zwerch. Diesen mundartlichen Begriff hätte man zu Recht eingedeutscht.“ Der Berg liegt im Zuständigkeitsbereich des Liegenschaftsamtes der Stadt Neustadt (heutige Ortsteile der Stadt Neustadt an der Weinstraße und ehemalige selbständige Gemeinden Diedesfeld und Hambach). Dort wurde mir erklärt, dass man früher ja auch Chaussee und Trottoir gesagt habe, und jetzt schließlich Straße und Gehsteig sagen würde, also die Schreibweise der Zeit angepasst sei.

Beide Aussagen sind schlicht falsch. Der Zwerchberg mit seinen 589 Metern Höhe über NHN ist kein kleiner Berg und schon gar kein Zwerg unter den umliegenden Erhebungen. Das Wort „zwerch“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen „twerch“ und bedeutet quer. Wenn schon eine Eindeutschung vorgenommen werden sollte, dann hätte es „Querberg“ heißen müssen. Quer liegt nämlich der Zwerchberg zwischen Rittersberg und Sommerberg. Auch heute ist ja noch die pfälzische Bezeichnung „iwwerzwerch“ geläufig.

Weiter zwischen Hellerhütte und Kaisergarten liegt der Überzwerchberg (502 m), dessen Namen niemand gestört hat und der unverändert auch heute noch in der richtigen Schreibweise besteht. Insofern ein weiteres Indiz für die Richtigkeit der Annahme des großen Bruders „Zwerchberg“.

Mir vorliegendes altes Kartenmaterial, z.B. die erste Wanderkarte des Pfälzerwald-Vereins (PWV), führt die richtige Bezeichnung. Bestätigt hat meine Nachforschungen Herr Dr. Rudolf Steffens (Sprachwissenschaftler) an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Er stellt fest, dass es in Rheinland-Pfalz keinen Zwergberg gebe und auch noch keinen gegeben habe, wohl aber in Diedesfeld eine „Zwerchgewann“. Ebenso erhielt ich eine Bestätigung für meine Meinung vom Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation von Rheinland-Pfalz in Koblenz. Diese wird auch ausschlaggebend sein.

Auch die „Topographische Aufnahme Bayern Pfälzische Gebiete aus den Jahren 1836 bis 1841“, zeigt im Kartenwerk den Zwerch Berg an.

Zwerch Berg.
Zwerch Berg, Ausschnitt aus der „Topographische Aufnahme Bayern Pfälzische Gebiete (1836-1841)“.

Ebenso sprechen die Urkunden zur Haingeraide (IV. Mittelhaingeraide), zu der Diedesfeld mit Maikammer, Sankt Martin und Kirrweiler gehörte, eine eindeutige Sprache. Im 16. Jahrhundert – erstmals im Geraidespruch der Vierten Mittelhaingeraide (1577/1628) durchgehend bis zum 19. Jahrhundert ist immer und ausschließlich vom Zwerenberg oder Zwerchberg die Rede.

Jetzt wird geändert!

Allerdings, es liegt noch einige Arbeit vor mir. Mit den Bestätigungen und Unterlagen werde ich nun bei den Wanderbuchverlagen überzeugen und den Zwerchberg zu seinem richtigen Namen verhelfen.

Eine Änderung der Bezeichnung hat bereits Herr Pietruska aus dem gleichnamigen Kartenverlag in Rülzheim nach Einsicht in meine Unterlagen vorgenommen. In der frisch erschienen 4. Auflage des Bereiches „Landau & Neustadt“ wurde die Berichtigung vorgenommen.

Inzwischen hatte ich auch Kontakt mit den Herausgebern einer Outdoor App. Hier wurde ich belehrt, dass alle elektronischen Kartendaten bei OpenStreetMap gepflegt werden. Das heißt, daß alle Wanderverlage und Softwareentwickler die dort eingepflegten Änderungen übernehmen. Ich stehe mit OpenStreetMap in Verbindung.

Es ist nicht leicht, einem Kulturgut und das sind unsere Flurnamen, seinen Namen zu bewahren. Aber es ist mir gelungen, dem Zwercherg seinen Namen zu retten.

Danke dem Hauptgeschäftsführer des Pfälzerwald-Vereins (PWV), Herr Bernd Wallner, für seine Bemühungen durch Vorlage der ersten Wanderkarte des PWV vom Anfang des 20. Jahrhunderts mir behilflich zu sein.

Peter Kuhn, Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)

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Literatur und Quellen: 

  • „twërch, -hes adj.“, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/Lexer?lemid=T02854>, abgerufen am 28.08.2022. www.woerterbuchnetz.de/Lexer?lemid=T02854
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  • „zwerch, Adj.“, Pfälzisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/PfWB?lemid=Z01934>, abgerufen am 28.08.2022. www.woerterbuchnetz.de/PfWB?lemid=Z01934
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  • Friedmann, Andreas Urban (494): Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen. Pfälzische, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften: Maierdruck (114).
  • Pfälzerwald-Verein e.V. – Erste Wanderkarte zu Beginn des 20. Jahrhunderts
[1]
Friedmann, Andreas Urban. Weistümer und Ordnungen pfälzischer Marknutzungsgenossenschaften und Großwaldungen. Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften^. Speyer: Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften; 2013

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