Spies Weiher
Der Weiher befand sich in Maikammer an der unteren Marktstrasse.

Club Sellemols Mitglied Manfred Ullrich (Jahrg. 1939) schreibt im Juni 2025 per Email:
„An den Spiese-Weiher kann ich mich noch sehr genau erinnern. Der Maikammerer Groß-Weingutsbesitzer Spies hatte dort so etwas wie einen winzigen Park angelegt, in dessen Mitte sich ein kleiner Weiher befand.

Ich weiß nicht mehr, ob der kleine Park für Außenstehende zugänglich war. Dagegen spricht, dass selbst der nach Norden und Westen angrenzende Wingert (der ebenfalls im Besitz von Spies war) mit Maschendraht eingezäunt war und etwa in seiner Mitte zur Marktstraße hin ein verschließbares Türchen trug. Direkt hinter diesem stand eine Art überdachter sechs- oder achteckiger Pavillon, der vermutlich zum unterstellen gedacht war – ein bisschen wohl auch als Zierde.

Links im Wingert: der Weg zum See mit dem sechseckigen Pavillon auf dem Gelände des Weingut Spies.

In dem Park standen, wie auf dem Foto erkennbar, damals schon recht große Bäume. Darin hielten sich immer wieder Nachtigallen auf, deren Gesang nachts und teilweise auch tagsüber bis zu unserem Wohnhaus in der Marktstraße (73) deutlich zu vernehmen war. Unsre Eltern haben dies als positive Besonderheit gesehen und uns Kinder aufgeklärt, um welche „Sänger“ es sich handelte.
In dem Park haben sich 1945 junge französische Besatzungs-Soldaten einen kleinen Basket-Ball-Spielplatz erstellt und anfangs auch benutzt. Es war eine Art Trainings-Gelegenheit, dort stand dafür ein einzelner Korb-Mast. Er existierte danach noch einige Jahre.“

Der Weiher ist links zu sehen, mit einem Boot auf dem Wasser und einem Pavillon am Ufer.
Rechts im Wingert: Pavillon und Weg.
Die 3 Schilder „A.Spies“ standen tatsächlich an der Kreuzung: auf jeder Ecke der 3 Wingert die zum Weingut gehörten.
Daran kann sich Club Sellemols Mitglied Inge Ulrich, die Schwägerin von Manfred Ulrich, 2025 ebenfalls noch gut erinnern.
Bemerkungen zum „Spiese-Weiher“ von Markus Hener, 11.03.2026 (Club Sellemols Mitglied):
„Ursprünglich diente der Weiher als Mühlenteich und somit als Rückhaltereservoir für die Bordmühle in Kirrweiler (heute im Bordmühlweg gegenüber Autohaus Schreieck).
Heinz Friedel beschreibt in seinem Buch „Kirrweiler – Die Geschichte eines pfälzischen Weindorfes“ (1978), dass die Mühle nach Mitteilung Urban Zieglers bereits 1470 bestanden habe. Diese Aussage kann leider nicht verifiziert werden. Die erste Erwähnung der Mühle findet sich laut Friedel 1535 mit einem Müller mit Vornamen Conrad.
Spätestens seit 1710 ist der Name „Bordmühle“ in Gebrauch. Der Name rührt daher, dass hier Bretter geschnitten wurden (Pfälzisch, mundartlich: „Bord“); es handelte sich also um eine Sägemühle.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in der Mühle von einem Herrn Lederle eine Zwirnfabrik eröffnet.
1882 ersuchen die Gebrüder Kessler aus St. Martin um das Anwesen, da sie in der ehemaligen Mühle ein Emaillierwerk errichten möchten, da die vorhandenen Produktionsstätten in der Einlaubstraße in St. Martin nicht mehr ausreichten.
Aus dieser Zeit stammt der folgende Situationsplan der Lederle’schen Zwirnfabrik. Man erkennt auf ihm, dass der Kropsbach das Anwesen unter dem Maschinenraum durchfliest. Es ist stark anzunehmen, dass die Zwirnfabrik die vorhandene Wasserkraft nutzte.

Als die Gebrüder Kessler das Anwesen übernehmen und umbauen, wird eine Dampfmaschine installiert. Nichtsdestotrotz wird das Wasser des Baches natürlich für Produktionszwecke genutzt.
1904 übernehmen die Gebrüder Ullrich das insolvente Werk der Gebrüder Kessler.
Aus vorhandenen Bauplänen der Zeit ist keine Wasserkraftnutzung ersichtlich, weswegen der Weiher an der Ecke Marktstsraße/Staatsstraße (heute L516) wohl als ehemaliges Staureservoir ausgedient hatte und Spies diesen somit innerhalb einer Parkanlage (zum Vergnügen) nutzen konnte.
Nach dem Krieg eröffnet in der ehemaligen Bordmühle die „Mechanische Werkstätte Neufeld“, die in den 50er Jahren eine Turbine zur Wasserkraftnutzung einbauen lässt. Im Landesarchiv Speyer finden sich hierzu zahlreiche Pläne des Wasserwirtschaftsamtes Neustadt über der Wasserkraftnutzung, welche allerdings bis jetzt noch nicht ausgewertet werden konnten und es fraglich ist, ob der Rückstau des Weihers nötig für den Antrieb der Turbinen war.
In den späten Fünfziger Jahren – so erzählte meine Großmutter, die in der Fabrik in Kirrweiler arbeitete und deren Arbeitsweg dort täglich vorbeiführte, scheint der Weiher frei zugänglich gewesen zu sein. Sie berichtete, dort sei ein „Nachen“ gelegen und man habe mit diesem über den kleinen Weiher rudern können.
Als ich Kind war, kann ich mich an die hölzernen Reste eines solchen Bootes dort erinnern, auch wenn der Weiher durch die Verlegung des Kropsbaches längst trockengelegt war.
Mit dem Bau des Radweges längs der heutigen L 516 (früher B38) wurden große Teile des ehemaligen Weihers zugeschüttet. Heute kann man die Ausmaße noch an der Bodenvertiefung erkennen.“

(Quelle: https://www.geoportal.rlp.de abgerufen am: 10.03.2026)
Wer hat weitere Erinnerungen an den Weiher? Oder kann weiteres Bildmaterial zur Verfügung stellen? Gerne beim Club Sellemols melden, wir freuen uns !
(OFB: Julius Albert Spies <6118>)
Fotos: Club Sellemols. Text- und Fotozusammenstellung, März 2026: Heike Scholhölter.
