Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)

(Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) gegründet 2014

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20 Jahre Kalmit Wetter-Warte

Die Kalmit-Wetterwarte feiert Geburtstag

Am 28. Oktober 20 Jahre – Wie die Heereswetterwarte errichtet wurde.

Turm und Hütte auf der Kalmit

Morgen Mittwoch den 28. Oktober sind 20 Jahre verflossen, seitdem die Kalmit-Wetterwarte ins Leben gerufen wurde. Damals stand allerdings das beutige Hochhaus da oben noch nicht, wohl aber der alte Turm und die von der Ortsgruppe Ludwigshafen des Pfälzerwaldvereins errichtete sogenannte Lubwigsbafener Hütte

Als während des Weltkrieges die schwere Zeit der Flieger-Ueberfälle kam, rief der Pfälzerwaldverein seine wenigen zuhause gebliebenen Getreuen auf und richtete eine Fliegerwacht auf der Kalmit ein. Als ihr Nutzen erkannt war, übernahm die Militärverwaltung die Station als Heereswetterwarte und verband damit einen Beobachtungsposten gegen Fliegerangriffe.

Diese Heereswetterwarte wurde am 28. Oktober 1916, also vor genau 20 Jahren errichtet. Oberstudiendirektor Hensler, der damals Vorstand der Landwirtschaftsschule Landau war und damit auch die mit ihr verbundene dortige Wetterwarte betreute, infolgedessen auch Verbindungen zwischen ihm und der meteorologischen Zentralstation (jetzt Landeswetterwarte) bestanden, wurde an diesem Tage telefonisch angerufen von Dr. Alt, dem damaligen Kustos an der landwirtschaftlichen Zentralstation in München (er ist jetzt am meteorologischen Institut bei der Universität Leipzig). Dr. Alt bat Herrn Hensler, mit ihm zur Kalmit zu fahren, um die Wetterwarte dort einzurichten.

Die Herren trafen sich in Maikammer bei Gastwirt Burkhardt „Zum Rebstöckel“, wo sie schon erwartet wurden von dem Landsturmmann der Kalmit, der nach Bedarf mit einem Esel in Maikammer Lebensmittel abholte.

Die Dunkelheit war schon weit vorgeschritten, als man den Aufstieg vornahm, Unterwegs begegneten ihnen zwei Pfälzerwäldler, die sich auf dem Abstieg befanden, nämlich Direktor Kederer aus Ludwigshafen und der Riesling-Schorsch (Georg Christmann aus Hambach). Auf die Frage, warum die beiden nicht droben geblieben seien, antworteten sie: „Wir haben gehört, daß Ihr kommt, und mußten deshalb Platz machen.“ Soviel Betten waren nämlich damals noch nicht oben.

Auf der Weiterwanderung nun gerieten die drei Herren mit ihrem Esel zu weit nach links, weshalb der Landsturmmann plötzlich erklärte: „Wir sind irr!“ Dr. Alt erwiderte: „Wir gehen zurück, bis wir wieder auf dem richtigen Weg sind!“ Dem Landsturmmann aber befahl er dann: „Jetzt machen Sie die Sturmlaterne aus und lassen den Esel vorausgehen!“ So geschah es auch, und siehe da, der Esel führte die drei Männer ohne Licht den rechten Weg auf die Kalmit hinauf!!!

Soweit möglich, wurde abends noch mit der Aufstellung der Apparate und mit der Einweisung des Unteroffiziers (Platzkommandanten) begonnen. Am folgenden Tag geschah dann die Fertigstellung der Heereswetterwarte und hierauf die Rückwanderung der beiden Wissenschaftler.

Um 20. Januar 1917 kam Dr. Alt zur Kontrolle der Wetterwarte nach Landau und am 21. Januar ging er zusammen mit Oberstudiendirektor Hensler wieder zur Kalmit, um dort das noch fehlende Barometer aufzustellen.

So die Geburtsgeschichte der Kalmit Wetterwarte. Im bayer, Landtag wurde dann 1921 darüber verhandelt, in dem Etat der bayer. Landeswetterwarte einen Assistenten als ständigen Beobachter auf der Kalmit vorzusehen, unter der Voraussetzung, daß die Ausrüstung der Station durch den Pfälzerwaldverein erfolge. Nach längeren Verhandlungen geschah dies denn auch und der Pfälzerwaldverein ermöglichte durch den Ausbau einer neuen Warte im Frühjahr 1927 die Wiederaufnahme der Beobachtungen.

Nach dem Einsturz des alten 10 Meter hohen achteckigen Turmes am 20. März 1928 wurde das heutige Hochobservatorium in dem 21 Meter hohen Turm erstellt.

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß sich der Pfälzerwaldverein (besonders die Direktoren Kohl und Kederer) um die Kalmitwetterwarte große Verdienste erworben haben. (m)

(Quelle: „Pfälzer Anzeiger“ vom 27.10.1936)