Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)

(Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) gegründet 2014

Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler)

Krämerladen der Familie Wothe

Renate Wingerter und Traudel Schäfer, Juni 2026, ergänzt von Heike Scholhölter August 2026

Der Beitrag behandelt die Familie Wothe, eine wohlbekannte Familie in unserer Dorfgemeinschaft und das markante Fachwerkhaus in der Weinstraße Nord 20 in Maikammer.

Dorothea Wothe. Wahrscheinlich während des 1. Weltkrieges als Lazarettschwester.

Alle älteren Maikammerer kennen noch Fräulein Wothe, wie sie in ihrem engen, gut gefüllten Lädchen, links neben der katholischen Kirche, ihre Kunden berät. Dort verkaufte Dorothea Wothe (geb. am 30. Juni 1888, verst. am 25. April 1977) bis ins hohe Alter Devotionalien: Kerzen für alle Gelegenheiten, Gesangbücher, Andachtsbilder, Lampenöle, Rosenkränze, Kreuze, Zierrat zur Erstkommunion, … Fräulein Wothe, wie sie allgemein genannt wurde, war das achte Kind von Lambert Wothe in zweiter Ehe (Eheschließung 1879) mit Franziska geb. Brechtel aus Edesheim.

7. April 1907. Kommuniongebet von Dorothea Wothe.
Traueranzeige Dorothea Wothe im August 1984,
kurz vor ihrem 90. Geburtstag.
Dorothea Wothe.

Sterbebild von Lambert Wothe. Er wurde 72 Jahre alt.

Dorotheas Vater, Lambert Wothe stammte ursprünglich aus Heßheim/Pfalz. Seine erste Ehe (Eheschließung 1871) mit Franziska Sell aus Alsterweiler verschlug ihn vermutlich nach Maikammer (Sie starb jedoch schon 1878 und hinterließ 4 halbwaise Kinder). Er kaufte das prägnante Gebäude in der Weinstraße 20, im Jahr 1872. Zuvor ging das Anwesen durch viele wechselnde Hände. Unter anderem erwarb es um 1837 Jakob Meckes. Dieser wird im Ortsfamilienbuch als „Krämer“ geführt. Er betrieb wohl damals bereits einen kleinen Laden. Lambert Wothe war gelernter Schuhmacher, ebenso wie sein Vater, Konrad Wothe. Daneben betätigte er sich als Krämer und Kirchendiener (Lindeneck 135, Adressbuch Neustadt 1891). (Bahnhofstr. 2, Adressbuch Neustadt 1914/1915.) Lambert Wothe führte den kleine Laden zunächst als Lebensmittelgeschäft. Erst später spezialisierte man sich auf religiöse Gegenstände. Die Familie Wothe war bekannt als eine sehr christliche Familie. Neben dem Verkauf religiösen Zubehörs im Lädchen traten auch noch andere Familienmitglieder in der christlichen Kirche hervor. Lambert Wothe war Vater von 12 Kindern.

Sterbebild von Franziska Wothe geb. Brechtel, 2. Ehefrau von Lambert Wothe. Hochzeit war 1879.
Sie wurde 82 Jahre alt.

Grabstätte Wothe auf dem Friedhof in Maikammer

Bei der Neugestaltung des Friedhofs Maikammer wurde im südlichen Eingangsbereich eine Informationstafel erstellt. Die Inhalte zu den jeweiligen Grabstellen hat der Club Sellemols (Historienfreunde Maikammer-Alsterweiler) erstellt. Die Information können unter folgendem Link nachgelesen werden:

Grabstätte von Lambert Wothe, Franziska geb. Sell und Franziska geb. Brechtel auf dem Friedhof Maikammer.

Johann Martin Wothe (geb. 18.02.1837 Heßheim, verst. 21.09.1909 Edenkoben) ein Bruder Lamberts war seit 03. März 1868 katholischer Pfarrer. 1869 übernahm er die Pfarrei in Edenkoben bis 1909. In diesen 40 Jahren als Stadtpfarrer war er maßgeblich am Bau der Ludwigskirche und des neuen Pfarrhauses in Edenkoben beteiligt. Im Pfarrgedenkbuch wird er als „geistig und moralisch hochstehend und unbeugsam“ geschildert. Er unterrichtete zudem an der Lateinschule und war somit auch an der geistigen und moralischen Bildung der Jugend beteiligt. Als Pfarrer prägte er zu dieser Zeit mitverantwortlich die Geschicke Edenkobens.

Anwesen in der Weinstraße Nord 20

Eine weitere Besonderheit ist das Gebäude Weinstraße Nord 20, in dem die Familie lebte. Noch heute ist es als Fachwerkhaus gut erhalten. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkwohnhaus im barocken Stil des 17. Jahrhunderts. Das massive Erdgeschoss ist mit roten Sandsteinen eingefasst. Es trägt ein vorkragendes Obergeschoss. Vor dem Gebäude stand ehemals ein großer Brunnen. Die Eingangstür war zu dieser Zeit auf der linken Seite des Wohnhauses. Erst später, nachdem der Brunnen entfernt war, wurde der Eingang nach rechts versetzt

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Fronleichnamsfest in Maikammer, ca. 1930er Jahre. Anwesen Wothe, Weinstraße Nord 20.
Aus dem Buch: „Maikammer-Alsterweiler Vergangenheit in Bildern“
von Kuno Bachtler, Dr. Andreas Imhoff, Dr. Thea Rieder, Seite 28.

Ca. im Jahre 1897. Familie Lambert Wothe (hintere Reihe, 3.v.links) bei der Kommunion von Tochter Franziska (vorne im weißen Kleid sitzend).
Hinten stehend v.l.n.r.:
Josef Wothe, geb. 1884 geb. später Regierungsrat.
Maria Barbara Wothe geb. 1880, später Schwester „Felizitas“ im Magdalenenkloster Speyer,
zur Zeit Edith Stein’s dortiger Anwesenheit!
Lambert Wothe, der Vater.
Bonifaz Wothe, Verwandtschaftverhältnis unbekannt.
Unbekannt.
Pfarrer Johann Martin Wothe Bruder von Lambert.
Unbekannt.
Barbara Wothe geb. 1882, blieb zeitlebens ledig.
Vorne sitzend v.l.n.r.:
Konrad August 1887 geb. er studierte Medizin.
Franziska Wothe geb. Brechtel, die Mutter.
Kommunionkind Franziska Wothe geb. 1888, später „Beschließerin auf Schloss Graf Spee bei Düsseldorf“.
Dorothea Wothe geb. 1894, spätere Lebensmittelhändlerin im Haus Weinstraße Nord 20.
Unbekannt.
Barbara Elisabeth Wothe geb. 1885 geb. später Schulrektorin in Schifferstadt.

Weitere Familienmitglieder

Barbara Elisabeth Wothe.

Barbara Elisabeth Wothe geb. 1885 in Maikammer, war Lambert Wothes 9. Kind, von Franziska geb. Brechtel das 5. Kind. Sie war Dorothea Wothe’s 9 Jahre ältere Schwester. Sie war zeitlebens ledig und war Schulrektorin in Schifferstadt. Sie starb im April 1968 im Alter von 82 Jahren.

Sterbebild von
Barbara Elisabeth Wothe.

Franziska Wothe geb. 1888 war das 11. Kind von Lambert Wothe und das 7. gemeimsame Kind mit seiner 2. Ehefrau Franziska geb. Brechtel. Sie war das Kommunionkind auf dem Familienfoto aus dem Jahre ca. 1897 und von unserem Fräulein Wothe aus dem Laden die 6 Jahre ältere Schwester. Laut OFB war sie „Beschließerin auf Schloss Graf Spee bei Düsseldorf“. Sie starb im Jahre 1977 mit 88 Jahren.

Franz Josef Wothe geb. 1910, Enkel von Lambert Wothe und der Sohn dessen 3. Kindes aus 1. Ehe: Aloys Martin Andreas Wothe geb. 1877 in Maikammer.

Franz Josef wurde 1947 zum Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerks gewählt.

1949 rief ihn der Bischof von Münster in seine Diözese und vertraute ihm Sozial- und Bildungsaufgaben an.

In Münster war er 1952 Mitgründer der Zentralstelle der Danziger Katholiken. Als Bischof Splett nach Haft und Internierung 1958 nach Deutschland kam, ernannte er Wothe zum Konsistorialrat für das Bistum Danzig. 1961 berief Bischof Heinrich Maria Janssen Wothe nach Hildesheim. Dort lehrte er Pastoraltheologie am Priesterseminar und übernahm Aufgaben in der diözesanen Bildungsarbeit. Er publizierte zahlreiche Bücher und Zeitschriftenbeiträge. (Q: OFB sowie weitere Informationen unter dem externen Link: Gemen, 1947).

Sterbebild von Maria Wothe geb. Schütte, Mutter von Franz Josef Wothe.

Weitere Personen mit Familienname Wothe sind Elisabeth geb. 1845 und Dorothea geb. 1847, vermutlich 2 jüngere Schwestern von Lambert Wothe, da ebenfalls wie er in Heßheim geboren. In welchem Verwandschaftsverhältnis der Kapuziner Mönch und Priester Bonifaz Wothe geb. 1889 stand, ist nicht genau bekannt.

Quellen: KuLaDig, Ortsfamilienbuch Maikammer, Familienbuch Edenkoben, Bilddatenbank Club Sellemols, Hecker und Mucker Heft 1/2026.